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BeitragVerfasst: Mo 15. Jul 2013, 14:29 
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Kurzgeschichte: Der Treck der Zephyriten
von Angel McCoy am 11. Juli 2013

Anmerkung des Schreibers: Der folgende Tagebucheintrag wurde – zweifellos ohne Erlaubnis – aus dem Zephyr-Refugium entwendet. Im Jahre 1326 fiel er der Abtei Durmand in die Hände. Der Verfasser ist bis heute unbekannt und auch der Wahrheitsgehalt und die Authentizität dieses Berichts konnten nicht bestätigt werden. Wer ihm Glauben schenkt, tut dies auf eigene Gefahr.

9. Jahreszeit des Nachkommen 1320

Erschöpfung und Hitze könnten unsere Leben fordern, noch ehe wir hier herauskommen, falls uns die kleineren Ärgernisse nicht zuvor zum Verhängnis werden. Der Wüstenwind bläst seinen Sand in jeden Winkel. Wie kleine beißende Milben graben sich die Sandkörner zwischen Haut und Kleidung, heften sich an die Kopfhaut und reiben zwischen den Zehen.

Meine Begleiter üben sich schon die ganze Reise lang im Schweigen, und jetzt, da wir uns den Schlachtfeldern nähern, sind alle Gespräche, bei denen es nicht um Überlebenswichtiges geht, gänzlich versiegt. So groß ist unsere Erschöpfung, dass wir nichts weiter zu tun vermögen, als uns voranzuschleppen.

Es ist fast so, als hätten Wind, Sonne und Wetter sich gegen uns verschworen, um unseren Fortschritt zu behindern. Langsam verstehe ich, warum jemand, der Sicherheit hoch schätzt, diesen Ort für seinen Unterschlupf auserkoren haben sollte.

10. Jahreszeit des Nachkommen 1320

Unser Treck in die Kristallwüste zieht sich bereits um Wochen länger als erwartet hin. Das Wetter hat sich als unvorhersehbar erwiesen, doch nun haben wir endlich unseren Bestimmungsort erreicht.

Ich schreibe dies auf einem Hügel, der das Schlachtfeld überschaut. Eine feierliche Stimmung steigt wie das Flimmern der Hitze aus dem Sand empor, sodass einem der Atem stockt. Hier, an diesem Ort, hat die Klinge des Schicksals den Kristalldrachen herausgefordert; hier ließ unsere Beschützerin ihr Leben, als sie uns vor ihren Ältesten verteidigte. Ich bilde mir ein, die Kristall gewordenen Überreste ihrer Gebeine selbst von hier aus sehen zu können. Morgen werden wir Gewissheit haben.

11. Jahreszeit des Nachkommen 1320

Unsere Vorgänger, die Bruderschaft der Zwerge, wussten, dass sie anders war. Sie schlossen ein Bündnis mit ihr und öffneten ihr das Herz. Sie bewachten ihr Erbe, solange es ihnen möglich war, doch leider sollte ihr Volk die Zeiten nicht überdauern. Das Schicksal hatte anderes im Sinn, und so wurde die Fackel an meine Vorfahren weitergereicht. All die Jahrhunderte blieben wir im Verborgenen, um ihr nach Kräften zu helfen und ihre Geheimnisse zu hüten. Es bricht mir das Herz, dass es uns verwehrt war, Zeugnis über ihre letzten Atemzüge abzulegen. Ihr Leben hatte Jahrtausende gewährt, um in nur einem Augenblick zu erlöschen.

Jetzt kommen wir, um die Überreste ihres magischen Leichnams zu bergen, auf dass ihre geheiligten Gebeine nicht in die falschen Hände fallen mögen. Drachen verzehren Magie, doch sie zerstören sie nicht. Sie nehmen sie in sich auf wie ein Schwamm das Wasser. Ich kann nur hoffen, dass wir jenen Plünderern und Machtbesessenen zuvorkommen, die ihre Überreste nur für ihre böswilligen oder eigennützigen Zwecke missbrauchen würden.

Ich weiß jetzt, welch große Macht ihren kristallenen Gebeinen innewohnt. Einen Teil von ihr in Händen haltend vermochte ich auf den Winden zu wandeln, auf Blitzen zu reiten und die Kraft der Sonne meinem Willen zu beugen. Wir werden sie mit uns nehmen und ein neues Refugium errichten, in dem wir der profanen Gewalt dieser Welt entsagen. Dort werden wir uns dem Frieden verschreiben und die Kristalle säen, die wir mit einem kleinen Teil ihrer Magie fertigen, damit auch andere die Gunst ihres Erbes erfahren.

Ich schreibe mit einiger Zuversicht, dass wir nie wieder in diese gottverlassene Wüste zurückkehren werden, wenn wir sie hinter uns gelassen haben. Sie ist all das, was wir nicht sind: ungastlich, leblos und grausam. Wir werden sie an einem Ort zur Ruhe betten, an dem eine frische Brise weht und auf den die Sonne sanft herabscheint. Dies ist das Mindeste, was sie verdient.

Sie war alt wie die Zittergipfel; älter noch als die Götter selbst. Niemand soll ihren wahren Namen je vernehmen. Und so werden wir ihrer nur als Glint, dem einzigen Drachen, der sich der Zerstörung unserer Welt entgegenstellte, gedenken. Solange wir leben, soll man sie nicht vergessen.

_________________
Alle Wölfe und Vampire,
alle Teufel sind nur dies:
Menschen, die die Menschen jagen,
diese Wahrheit ist gewiss


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